Travel Journal: Uganda
- Ann-Christine

- 8. Okt. 2025
- 17 Min. Lesezeit
Begleite uns auf unserer Reise durch Uganda – von dichten Regenwäldern und beeindruckenden Berggorillas bis hin zu lebhaften Städten und stillen Momenten am Lake Victoria – und erlebe jeden Tag noch einmal mit uns.
27. Februar 2025 – Von Nairobi nach Entebbe
Wir kommen am Flughafen in Nairobi an.
Bevor wir überhaupt auf das Flughafengelände dürfen, müssen wir das Auto verlassen und durch einen separaten Eingang mit Security Check.
Fadel, unser Guide der Kenia-Tour, wartet hinter dem Kontrollpunkt auf uns und bringt uns anschließend noch bis zum Haupteingang des Flughafens.
Dort verabschieden wir uns von ihm – unser nächstes Abenteuer beginnt.
Im Flughafengebäude folgt direkt der nächste Sicherheitscheck inklusive Gepäckkontrolle.
Alle Passagiere müssen die Schuhe ausziehen – bei 35 Grad Außentemperatur und stickiger Luft eine absolut schlechte Idee. Der Raum riecht so intensiv nach Schweißfüßen, dass ich mich zusammenreißen muss, nicht zu kotzen.
Also packen wir so schnell wie möglich alles in die Boxen und hasten durch den Scanner.
Am Gate sitzen wir dann erstmal erschöpft.
Laras Mama macht sich Sorgen wegen der aktuellen Sicherheitslage in Uganda – das Auswärtige Amt rät momentan von Reisen in bestimmte Gebiete ab, vor allem in Grenznähe zum Kongo.
In der Region gibt es derzeit wieder verstärkt Kämpfe zwischen Rebellengruppen und der Armee.
Da wir in den nächsten Tagen im Queen Elizabeth und Bwindi Nationalpark unterwegs sein werden, tragen wir unsere Aufenthalte vorsichtshalber beim Auswärtigen Amt ein.
Falls sich die Lage drastisch verschärfen sollte, könnten wir im Notfall besser kontaktiert oder sogar evakuiert werden. Ich sehe das Ganze entspannter – wenn wirklich eine ernste Gefahr bestünde, wären die Menschen hier vor Ort sicher deutlich alarmierter, und auch unsere Reiseagentur hätte uns gewarnt.
Der Flug nach Entebbe verläuft ruhig.
Am Flughafen werden wir von einem Fahrer abgeholt und direkt zum Hotel gebracht.
Nachdem wir dort angekommen sind, machen wir noch einen kleinen Spaziergang zu einem Einkaufszentrum in der Nähe.
Wir essen etwas, bummeln durch die Geschäfte und lassen den Tag entspannt ausklingen.

28. Februar 2025 – von Entebbe zum Kibale Nationalpark
Heute lernen wir Arnold kennen, unseren Guide für die Zeit in Uganda.
Er ist 32 Jahre alt, ruhig, aufmerksam und sehr umsichtig.
Um 7 Uhr morgens starten wir gemeinsam in Entebbe und machen uns auf den Weg Richtung Kibale Nationalpark.
Unser Ziel ist ein Camp in der Nähe, wo wir gegen 16 Uhr ankommen werden.
Schon früh am Morgen wird klar: Arnold überlässt nichts dem Zufall. Er warnt uns direkt davor, bei offenen Fenstern mit dem Smartphone in der Hand zu sitzen, und verriegelt gewissenhaft die Heckklappe. Seine Vorsicht und Art über die Menschen hier zu reden wirkt als würde er nicht sonderlich viel von ihnen halten – lässt uns aber auch die Augen für unser neues Umfeld offenhalten.
Die Fahrt führt durch zahlreiche kleine Dörfer. Entlang der Straßen stehen einfache Läden, die alles Mögliche verkaufen: Bananen, Reifen für Motorräder, Sofas, Hochbetten aus Metall – oft mit drei Etagen –, Holzbetten und Baumaterial. Immer wieder sehen wir große Säcke mit „Simba Cement“. Die Landschaft ist unglaublich grün: Bananenstauden säumen die Straßen, dazwischen immer wieder hohe Pinienbäume.
In der Luft hängt ein starker Rauchgeruch und es ist nebelig. Auf der anderen Seite der Berge im Queen Elizabeth Nationalpark werden aktuell große Flächen kontrolliert abgebrannt. Das soll dafür sorgen, dass mit der nahenden Regenzeit frisches Gras nachwachsen kann – ein gezielter ökologischer Prozess.
Im Camp angekommen, erwartet uns eine herzliche Begrüßung: Eine kleine Gruppe tanzt traditionelle Tänze und heißt uns willkommen. Wir sind in der Rubalika Lodge untergebracht, die zu einer Kaffeefarm gehört. Bei einer kleinen Führung lernen wir, wie die Bohnen geerntet, getrocknet und schließlich zu Kaffee verarbeitet werden.
Am Fluss gibt es später Pizza – ein etwas unerwartetes, aber sehr willkommenes Abendessen mitten im Grünen. Müde vom langen Tag gehen wir früh schlafen.
Im Zelt entdecken wir noch eine Malariamücke, was uns etwas nervös macht.
Wir sprühen uns gründlich mit Nobite ein – denn leider gibt es hier kein Moskitonetz über dem Bett.
Also: lange Kleidung, viel Spray und Daumen drücken, dass das reicht.
Müde von der langen Fahrt und den vielen Eindrücken fallen wir schließlich ins Bett – morgen wartet schon das nächste Abenteuer.

01. März 2025 – Schimpansen-Trekking im Kibale Nationalpark & Weiterfahrt zum Queen Elizabeth Nationalpark
Wir starten früh am Morgen, es ist noch dunkel, als wir losfahren. Während der Fahrt zum Kibale Nationalpark geht langsam die Sonne auf. Die Straßen sind fast leer, es ist ruhig, und wir genießen die Aussicht – grüne Hügel, Felder, Dörfer und immer wieder dichte Waldstücke. Alles liegt noch still da, nur der Nebel hängt stellenweise über den Bäumen.
Am Eingang des Parks bekommen wir ein kurzes Briefing: Wie man sich im Wald verhält, was bei Begegnungen mit Tieren zu beachten ist und wie das Trekking abläuft. Wir werden in Gruppen aufgeteilt – unsere besteht aus sechs Leuten. Mit uns gehen ein Guide und zwei bewaffnete Ranger. Hier leben nicht nur Schimpansen, sondern auch Waldelefanten und Büffel. Beide gelten als scheu, können aber gefährlich werden, wenn man ihnen plötzlich gegenübersteht. Die Ranger würden im Notfall Warnschüsse in die Luft abgeben.
Wir starten unsere Wanderung durch den Regenwald. Die Wege sind schmal und überwuchert, überall dichte Vegetation. In den Bäumen entdecken wir Colobus Affen, die hoch oben über uns von Ast zu Ast springen. Unser Guide funkt regelmäßig mit anderen Rangern, um die aktuelle Position der Schimpansen herauszufinden.
Nach etwas über einer Stunde finden wir eine Gruppe. Plötzlich stehen sie direkt vor uns – zwei setzen sich nur ein paar Meter entfernt hin und putzen sich gegenseitig. Ich hocke mich auf den Boden und beobachte sie. Es wirkt so friedlich.
Da sie sich ständig weiterbewegen, müssen wir mithalten. Das ist gar nicht so einfach: Sie rennen kreuz und quer durch den Wald, wir hinterher, ohne feste Wege. Äste schlagen mir ins Gesicht, Dornen bleiben an der Kleidung hängen. Von oben fallen Ameisen in mein Hemd, es sticht und kribbelt überall. Mal liegen die Schimpansen ruhig da, dann bricht plötzlich Unruhe aus – sie schreien, springen von Baum zu Baum, alles wird laut. Sie beachten uns nicht, als wären wir gar nicht da.
Ich hocke wieder am Boden und beobachte einige von ihnen, als sie plötzlich direkt an mir vorbei laufen. Ein junger Schimpanse bleibt nur wenige Zentimeter vor mir stehen, schreit laut, weil er nicht durch die Äste kommt, schlägt um sich. Ich gehe vorsichtig zurück – dann läuft er an mir vorbei.
Nach einer Weile machen wir uns auf den Rückweg. Die Begegnung war intensiv – wild, nah und ziemlich beeindruckend.
Zurück am Auto fahren wir weiter Richtung Queen Elizabeth Nationalpark. Die Landschaft zwischen Kibale und Queen Elizabeth ist abwechslungsreich: offene Flächen, vereinzelte Dörfer, grüne Hügel und immer wieder Menschen, die an der Straße sitzen oder auf den Feldern arbeiten.
Unsere Unterkunft ist die Queen Elizabeth Bush Lodge, direkt am Kazinga Channel. Hier leben mehrere tausend Nilpferde. Bei der Ankunft bekommen wir eine Einweisung: Nach Einbruch der Dunkelheit dürfen wir nicht mehr allein durchs Camp laufen – die Hippos kommen nachts aus dem Wasser und ziehen durch die Gegend. Auch Elefanten, Büffel und andere Tiere können auftauchen.
Das Abendessen gibt es draußen. Die Tische stehen rund um ein Lagerfeuer, im Hintergrund geht die Sonne über dem Channel unter. Die Stimmung ist ruhig, die Geräusche der Natur um uns herum – man hört die Hippos laut brummen.
02. März 2025 – Safari im Queen Elizabeth Nationalpark & Bootstour auf dem Kazinga Channel
Am frühen Morgen starten wir mit Arnold zur Safari. Der Queen Elizabeth Nationalpark ist weitläufig, mit offener Savanne, vereinzelten Akazienbäumen und grünen Buschlandschaften. Der Park ist riesig – und heute fast leer.
Immer wieder durchqueren wir trockene Flussbetten und staubige Wege. Die Luft ist noch angenehm kühl, das Licht weich.
Tiere sehen wir nur vereinzelt. Immer mal wieder tauchen Büffelherden auf – große, massige Tiere mit dunklem Fell und beeindruckenden Hörnern. Sie stehen meist still im Gras, einige kauen träge, andere schauen uns wachsam an. Etwas später begegnen wir einem einzelnen Elefanten. Erzieht langsam über die Straße – wirkt ruhig, aber gleichzeitig bestimmt. Wir stoppen das Auto und beobachten ihn, bis er im Gebüsch verschwindet.
Zwischendurch sehen wir verschiedene Antilopenarten: Waterbucks mit ihrem zotteligen Hals und der typischen weißen Zeichnung am Hinterteil. Besonders die jungen Tiere springen oft spielerisch durch die Landschaft.
In einem offenen Feld entdecken wir plötzlich einen Löwen und eine Löwin. Sie liegen im hohen Gras, heben kurz die Köpfe, dann senken sie sie wieder. Es ist nur ein kurzer Moment, bevor sie vollständig zwischen dem Gras verschwinden.
Wir besuchen einen See im Park, an dessen Ufern Salz gewonnen wird. In der flachen Wasserfläche spiegeln sich die Salzbecken, die in rechteckige Felder unterteilt sind. Hier wird das Salz noch in Handarbeit gewonnen – in der Mittagshitze eine harte Arbeit. Am Rand des Sees entdecken wir mehrere Flamingos, die mit gesenkten Köpfen durchs Wasser waten.
Am Nachmittag steigen wir in ein kleines, schmal gebautes Holzboot am Kazinga Channel. Der Bootsführer bleibt still, während eine junge Frau uns alles über die Tiere und Landschaft erzählt. Der Kazinga Channel verbindet den Lake Edward mit dem Lake George und ist ein Hotspot für Wildtiere.
Wir sehen gleich mehrere Vögel – vor allem den Pied Kingfisher, der schwarz-weiß gefiedert ist und immer wieder in rasantem Tempo ins Wasser stürzt, um Fische zu fangen. Außerdem fliegen Kormorane und Fischadler an uns vorbei oder sitzen regungslos am Ufer.
Am Ufer liegen Krokodile – völlig still.
Im flachen Wasser stehen Elefanten, sie spritzen sich mit Wasser und Schlamm ab. Büffel stehen ebenfalls im Wasser, teilweise bis zum Hals eingetaucht, mit geschlossenen Augen – es wirkt fast wie Wellness für sie.
Ein Höhepunkt sind die Hippo-Herden. Sie liegen eng aneinander gedrängt im Wasser, teils nur Nasen und Ohren sichtbar. Manche stoßen kurze, raue Laute aus – eine Mischung aus Prusten, Röhren und Grunzen. Ein Jungtier bleibt dicht bei seiner Mutter. Sobald wir zu nah kommen, sieht man deutlich, wie sich einzelne Hippos langsam bewegen, Köpfe heben und uns beobachten.
Als wir zurück an Land sind, waschen ein paar Einheimische gerade Arnolds Auto. In der kleinen Siedlung direkt am Ufer stehen einfache Holzhütten, davor sitzen einige Menschen und schauen auf das Wasser hinaus.
Zum Sonnenuntergang fahren wir noch einmal in den Park. Arnold will zurück zur Stelle mit den Löwen, aber wir haben kein Glück. Die Tiere bleiben verborgen.
Zurück im Camp genießen wir das Abendessen draußen am Feuer. Hinter unserer Hütte gibt es zwei Outdoor-Duschen. Während wir duschen, hören wir wieder die Geräusche der Tiere in der Nacht. Besonders die Hippos und Hyänen sind laut. Ziemlich beeindruckend, wenn man weiß, wie nah sie sein können.
03. März 2025 – Fahrt zum Lake Mulehe in den Bwindi Impenetrable Nationalpark
Wir brechen früh auf. Noch liegt Nebel über der Savanne und den Bäumen des Queen Elizabeth Nationalparks, als wir die Lodge verlassen. Entlang der Straße sehen wir einzelne Menschen laufen – viele machen sich früh morgens zu Fuß auf den Weg zur Arbeit. Die Landschaft verändert sich mit jedem Kilometer. Wir fahren durch eine von Bergen geprägte Region, die Luft wird frischer, der Rauch wird langsam weniger.
Die Straße führt uns durch kleine Dörfer, vorbei an Teeplantagen, deren grüne Felder sich terrassenförmig die Hänge hochziehen. Es wirkt friedlich und gleichzeitig belebt.
Unterwegs passieren wir Busse mit dem Logo des UNHCR. In der Nähe liegen mehrere Flüchtlingscamps – Uganda beherbergt viele Geflüchtete aus dem Kongo, dem Südsudan und Somalia. Die Camps wirken wie kleine Städte aus Planen und Wellblech. Manche Kinder winken, als wir vorbeifahren.
Auf den Straßen sehen wir immer wieder die typischen weiß-blauen Toyota-Hiace-Busse. Sie sind voll besetzt, teilweise mit geöffneten Türen – eines der wichtigsten Verkehrsmittel hier.
In Kisoro machen wir eine kurze Pause. Die Stadt ist die letzte größere vor der Grenze zum Kongo und nach Ruanda, entsprechend voll und trubelig. Marktstände, Motorräder, Busse, hupende Autos – alles vermischt sich. Viele Menschen aus beiden Nachbarländern kommen zum Einkaufen oder Arbeiten hierher, die Grenze ist nur rund 30 Kilometer entfernt.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich unsere Unterkunft – die Gorilla Lodge am Lake Mulehe. Die Lodge liegt oberhalb des Sees, eingebettet zwischen Hügeln und dichtem Grün. Von der Terrasse aus hat man einen weiten Blick auf den ruhigen See, eingerahmt von Vulkanen in der Ferne.
Die Luft ist deutlich kühler, fast schon frisch, und alles wirkt entschleunigt.
Starker Regen setzt ein, die Regenzeit beginnt.
Wir freuen uns auf den morgigen Tag – unser Gorilla Trekking im Bwindi Impenetrable Forest steht bevor.
04.03.2025 – Gorilla-Trekking im Bwindi Impenetrable Nationalpark (Rushaga-Sektor)
Es ist noch dunkel und kühl, als wir beim Frühstück sitzen. Toast und Ei stehen auf dem Tisch, doch vor lauter Aufregung bekommen wir kaum etwas herunter.
Wir sind voller Vorfreude und Spannung, als wir uns auf den Weg zum Briefing Point im Rushaga-Sektor machen – einem der weniger frequentierten Zugänge zum Bwindi Impenetrable Nationalpark. Der Rushaga-Sektor liegt im südlichen Teil des Parks und ist besonders bekannt für die hohe Dichte an Gorilla-Familien und seine abwechslungsreiche, teils sehr steile Landschaft mit spektakulären Ausblicken über den Regenwald. Außerdem ist dies einer der wenigen Sektoren, in denen auch sogenannte Habituierungs-Trekkings möglich sind – bei denen man Forschende begleiten kann, um noch scheue Gorillas an den Menschen zu gewöhnen.
Die Sonne geht langsam über den Bergen auf. Die Landschaft ist atemberaubend: steile Hänge, tief eingeschnittene Täler, alles umgeben von dichtem Nebel. Kinder in Schuluniformen laufen fröhlich winkend am Straßenrand entlang – ein ruhiger, friedlicher Morgen.
Am Briefing Point werden wir mit traditionellen Tänzen und Gesängen begrüßt. Danach erhalten wir eine ausführliche Einführung zum Ablauf des Gorilla-Trekkings und den strengen Verhaltensregeln. Diese Regeln dienen nicht nur unserer Sicherheit, sondern vor allem dem Schutz der Gorillas, deren Lebensraum durch den Tourismus zwar berührt, aber auch gesichert wird. Nur eine Gruppen pro Tag darf eine Familie besuchen, und auch das nur für eine Stunde.
Die Einnahmen aus den Permits fließen direkt in den Schutz der Gorillas, in die Bezahlung und Ausbildung von Rangern sowie in die Unterstützung der umliegenden Gemeinden. Der Ökotourismus schafft so eine enge Verbindung zwischen dem Wohl der Tiere und dem der Menschen vor Ort.
Unser Guide für den Tag ist Brian, ein junger Ranger aus Bwindi. Er erklärt uns, dass wir eine bestimmte Gorilla-Familie suchen werden und dafür mit dem Auto zu einem anderen Startpunkt fahren müssen. Wir sind mit fünf anderen Teilnehmern in einer kleinen Gruppe, alle etwa in unserem Alter. Auf dem Weg durch ein kleines Dorf holen wir unsere „Supporter“ ab – Einheimische, die uns beim Tragen der Rucksäcke und beim Navigieren durch schwieriges Gelände helfen. Diese Aufgabe ist eine wichtige Einkommensquelle, und die Freude über den Auftrag ist ihnen anzusehen. Auch wir entscheiden uns für Unterstützung und treffen am Startpunkt auf unsere Supporterin. Von Brian erhalten wir für die Wanderung noch einen traditionellen Wanderstock.
Der Weg führt uns zunächst entlang eines Berghangs, vorbei an Feldern und arbeitenden Bauern, mit weitem Blick ins grüne Tal. Brian läuft neben uns und fragt vorsichtig, ob alles in Ordnung sei und ob wir Angst vor ihm hätten. Überrascht verneinen wir. Er erzählt, dass er vorhin an unser Auto geklopft habe, um etwas zu fragen, und Arnold ihn auf Suaheli schroff zurückgewiesen habe – er solle das lassen, das mache den Touristen Angst. Brian ist sichtlich gekränkt, Tränen stehen ihm in den Augen. Wir versichern ihm, dass wir davon gar nichts mitbekommen haben und ihn im Gegenteil sehr sympathisch finden.
Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Grenze zum Wald – wir verlassen die Zivilisation und tauchen ein in das dichte Grün des Bwindi. Wegen des Regens am Vortag ist der Weg rutschig und schlammig, wir springen von Stein zu Stein, rutschen aus, bleiben an Dornen hängen. Die Vegetation ist üppig und wild – Lianen, Farne, moosbedeckte Stämme und hohe Büsche säumen unseren Pfad.
Nach etwa 1,5 Stunden erreichen wir einen kleinen Fluss. Dort entdecken wir frische Schlafplätze – die Gorilla-Familie hat hier wohl die Nacht verbracht und ist erst kürzlich weitergezogen. Also folgen wir den Spuren – und dann, ganz plötzlich, läuft ein einzelner Gorilla direkt an uns vorbei. Wir haben sie gefunden! Brian bittet uns, nun alle Stöcke und Rucksäcke abzulegen – diese könnten die Tiere beunruhigen, da sie früher mit Speeren gejagt wurden.
Wir gehen vorsichtig weiter bis zu einer Lichtung, dicht bewachsen mit hohen, stacheligen Sträuchern. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, meine Kamera beschlägt immer wieder. Vor uns liegt die Gorilla-Familie. Einige ruhen in den Büschen, andere fressen, ein paar junge Tiere klettern in den Bäumen. Die Stimmung ist ruhig – keine lauten Rufe wie bei den Schimpansen, nur ein leises Brummen. Ich hocke mich ins Gestrüpp, alles um mich herum piekst, aber das ist mir in diesem Moment völlig egal.
Ein junger Gorilla – ca. zwei Jahre alt – sitzt nur einen Meter entfernt vor mir. Er beobachtet mich neugierig, nähert sich, will nach meiner Kamera greifen. Ich ziehe sie langsam zurück, da berührt er stattdessen mein Knie und betrachtet mich aufmerksam. Nach einem Moment zieht er sich zurück und riecht an seinen Fingern – wie wohl ein Mensch riecht?
Über uns seilen sich zwei kleine Gorillas aus dem Baum direkt vor meine Füße ab. Wir beobachten sie, wie sie miteinander spielen, herumtollen, neugierig alles erkunden.
In einer Ecke sitzt der mächtige Silberrücken, völlig gelassen, und frisst Blatt für Blatt. Brian will gerade ein Foto von Lara und mir machen, da bewegt sich der Silberrücken auf uns zu. Ich stehe direkt in seinem Weg und gehe einen halben Schritt zur Seite. Er läuft nur wenige Zentimeter an uns vorbei, richtet sich auf und trommelt sich auf die Brust – ein Moment, den wir nie vergessen werden.
Es ist unglaublich, den Tieren so nah zu sein, einfach still dazusitzen und sie in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. So friedlich, so beeindruckend.
Weltweit leben nur noch etwa 1.000 Berggorillas – die meisten in den geschützten Regionen von Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo. Der kontrollierte Tourismus ist ein wichtiger Beitrag zum Schutz dieser faszinierenden Tiere und ihres Lebensraums.
Nach einer Stunde heißt es Abschied nehmen. Wir treten den Rückweg an, völlig verschwitzt, verschlammt – aber überglücklich. Als wir wieder durch die Felder zurück zum Auto laufen, reden alle begeistert über das Erlebte. Wir verabschieden uns herzlich von Brian und bedanken uns für seine einfühlsame Begleitung.
Zurück in der Lodge duschen wir erst einmal den Schlamm des Tages ab und lassen diesen unglaublichen Tag auf der Terrasse mit Blick auf den Lake Mulehe ausklingen.
Morgen geht’s schon zurück nach Entebbe.
05.03.2025 – Rückfahrt nach Entebbe
Früh am Morgen brechen wir auf – es liegt noch Nebel über den Berghängen rund um den Lake Mulehe. In der Ferne haben wir ein letztes Mal einen weiten Blick über die hügelige Landschaft, stellenweise reicht die Sicht bis hinüber in den Kongo. Die Rückfahrt nach Entebbe steht an – eine lange Reise quer durch das Land, vorbei an kleinen Dörfern, Tee- und Bananenplantagen, Feldern, Bergen und schließlich entlang des Viktoriasees.
Auf den Straßen ist bereits viel los: Menschen sind zu Fuß unterwegs, zur Arbeit oder zur Schule. Immer wieder liegt Rauch in der Luft, er zieht aus den Feldern herüber, auf denen abgebrannt wird, um Platz für neue Saat zu schaffen. In den Dörfern entlang der Hauptstraße wechseln sich kleine Shops ab – je nach Region sehen wir unterschiedliche Waren: Maniok, Matoke, Ananas, gebrauchte Kleidung, Handyhüllen, Zuckerrohr oder frisch gebackenes Fladenbrot. In jeder noch so kleinen Ortschaft gibt es einen „FortBet“-Shop – Sportwetten scheinen hier allgegenwärtig.
Die Landschaft verändert sich langsam, wird flacher, dichter besiedelt.
Wir machen eine Pause am Äquator – einem der bekanntesten Fotospots des Landes. Neben dem obligatorischen Foto mit einem Bein auf jeder Erdhalbkugel erleben wir hier auch eine kleine Vorführung: Ein Einheimischer zeigt uns, wie sich das Wasser in einem Schälchen je nach Position anders dreht – nördlich des Äquators im Uhrzeigersinn, südlich dagegen entgegengesetzt, und direkt auf dem Äquator fließt es gerade nach unten ab. Ein faszinierendes Schauspiel, das wir so noch nie gesehen haben.
Nach insgesamt 13 Stunden Fahrt erreichen wir am Abend erschöpft, aber zufrieden unser Hotel in Entebbe.
Hier verabschieden wir uns von Arnold, der uns in den letzten Tagen sicher durch Uganda begleitet hat. Unsere geführte Tour endet heute, aber wir haben uns entschieden, noch ein paar Tage in Entebbe zu bleiben und die Gegend auf eigene Faust weiter zu erkunden.
06.03.2025 – Spontanausflug nach Kampala
Wir frühstücken auf der Terrasse unseres Hotels mit einem weiten Blick über Entebbe und dem Lake Victoria. An einer kleinen Schule beginnt gerade der Unterricht – Kinder in Schuluniformen laufen lachend über den Hof, während wir bei Toast und frischem Obst überlegen, wie wir den Tag verbringen wollen. Eigentlich hatten wir geplant, einfach zu entspannen. Doch dann überkommt uns die Lust auf ein kleines Abenteuer, und wir beschließen spontan, nach Kampala zu fahren und dort eine Tour durch die Hauptstadt zu machen.
Bevor es losgeht, sorgt das Hotel aber noch für eine unerwartete Herausforderung: Lara steht eingeseift unter der Dusche, als plötzlich kein Wasser mehr kommt. In unserem Zimmer gibt es weder Wasser noch Strom – wie sich später herausstellt, sind auch viele andere Zimmer betroffen. Die Trockenzeit hat in Entebbe zu einer akuten Wasserknappheit geführt, und auch Stromausfälle sind derzeit an der Tagesordnung.
Zum Glück holt uns Erick ab, ein Freund von Sam, der uns schon am Flughafen begrüßt hatte. Er fährt uns sicher durch den Verkehr bis nach Kampala und wird uns später auch wieder abholen.
Kampala, die Hauptstadt Ugandas, ist eine pulsierende Metropole mit starkem Kontrast zwischen modernen Vierteln und traditionellen Stadtteilen. Die Stadt gliedert sich grob in „Up Town“ und „Down Town“: Up Town ist das wirtschaftliche und administrative Zentrum mit breiten Straßen, Hochhäusern, Banken und Einkaufsmöglichkeiten. Hier leben und arbeiten viele Ugander in vergleichsweise wohlhabenden Verhältnissen. Down Town dagegen ist das lebendige, oft chaotische Herz der Stadt mit engen, belebten Märkten, unbefestigten Wegen, dicht gedrängten Häusern und einer großen Zahl von Straßenhändlern. Zwischen diesen beiden Welten pulsiert das wahre urbane Leben Kampalas mit all seinen Herausforderungen und kulturellen Facetten.
Unsere Tour beginnt in Up Town. Hier sind die Straßen breit und asphaltiert, flankiert von Hochhäusern und modernen Bürogebäuden. Die Menschen wirken geschäftig, gut gekleidet und mit schnellen Schritten unterwegs. Es gibt Cafés, Banken, internationale Geschäfte – alles wirkt etwas strukturierter und ruhiger. Doch schon ein paar Straßen weiter befinden wir uns in einer völlig anderen Welt.
Down Town Kampala ist chaotisch, laut und voller Leben. Die Sonne brennt auf die staubigen, teils unbefestigten Straßen, zwischen denen sich zahllose Motorroller und Kleinbusse durchschieben. In engen Gassen erstrecken sich überdachte Märkte, auf denen unter dunklen Stoffplanen alles von Obst über Secondhand-Kleidung bis hin zu Elektrogeräten verkauft wird. Die Menschenmenge ist dicht, es riecht nach gegrilltem Fleisch, heißen Reifen und Erde. Kinder rufen uns lachend „Mzungu!“ hinterher und fassen neugierig nach unseren Armen. Überall sehen wir Marabus, die hoch oben auf den Dächern der Häuser sitzen – fast schon wie stille Wächter über dem Trubel der Stadt.
Am Abend sind wir wieder zurück im Hotel – und die Wasserprobleme sind leider noch nicht gelöst. Auch der Strom ist nun komplett ausgefallen, der Inverter piept stundenlang. Zum Duschen, Zähneputzen und für den Gang zur Toilette müssen wir zwei Etagen höher ausweichen, wo es zumindest in einem Zimmer noch etwas Wasser gibt.
Uganda erlebt zwei Trockenzeiten im Jahr, in denen der Regen für mehrere Wochen fast vollständig ausbleibt. Diese Perioden sind geprägt von heißem, staubigem Wetter und führen oft zu Wasserknappheit, vor allem in ländlichen und halbstädtischen Gebieten. Die langen Trockenzeiten wirken sich stark auf Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und das tägliche Leben der Menschen aus. In Städten wie Entebbe kommt es häufig zu Engpässen bei Wasser und Strom, da die Infrastruktur durch die hohe Nachfrage und geringe Ressourcen belastet wird. Für Besucher kann dies zu ungewohnten Situationen führen, wie zum Beispiel fehlendem Wasser zum Duschen oder Stromausfällen.
07.03.2025 – Mit dem Kanu durch den Mabamba Swamp auf der Suche nach dem Shoebill
Wir wachen auf – wieder ohne Strom, wieder ohne Wasser. Das Problem wurde also noch nicht gelöst. Es ist noch stockdunkel im Zimmer. Zum Glück habe ich meine Kopflampe mitgenommen, die Lara bisher immer für unnötig hielt. Heute beweist sie endlich ihren Wert. Im Licht der Taschenlampe machen wir uns fertig – gleich geht es zur Nakiwogo Landing Site, von wo aus wir mit einem schmalen Holz-Motorboot in den Mabamba Swamp aufbrechen, um den sagenumwobenen Shoebill zu suchen.
Zunächst fahren wir mit einem größeren Boot über den Lake Victoria. Die Wasseroberfläche ist ruhig, die Luft feucht und schwer. Außer uns sind nur vereinzelt Fischer auf dem Wasser. Lara legt sich auf die Bank im Boot und schläft ein, bis wir den Rand des Sumpfgebiets erreichen. Dort steigen wir in ein kleines, wackeliges Kanu um – nur so kommt man durch die engen Wasserwege des Mabamba.
Der Mabamba Swamp ist ein ausgedehntes, grünes Feuchtgebiet mit schmalen Kanälen, dichten Papyrusfeldern und unzähligen Wasserpflanzen. Die Luft summt vor Insekten, überall zirpen und zwitschern Tiere. Die Artenvielfalt ist beeindruckend – von Eisvögeln über Reiher bis zu Libellen in allen Farben. Lara sitzt vor mir, und ihr ganzer Rücken ist voller Mücken.
Als wir ihn endlich entdecken, bleibt Lara der Mund offen stehen – sie ist völlig erstaunt über seine Größe. Der Shoebill wirkt inmitten des hohen Grases beinahe wie eine Statue, regungslos und majestätisch. Mit einer Körpergröße von bis zu 1,40 Metern und einer Flügelspannweite von über 2,50 Metern ist er ein beeindruckender Anblick. Besonders markant: sein massiver, schuhförmiger Schnabel, der bis zu 24 cm lang werden kann. In seiner Präsenz liegt etwas Urzeitliches – als würde man einem Relikt aus einer längst vergangenen Zeit begegnen.
Etwas weiter entfernt entdecken wir sogar ein Jungtier, etwa vier Monate alt. Die Tiere sind äußerst selten – in Mabamba leben nur etwa zehn von ihnen. Sie pflanzen sich nur langsam fort, legen etwa alle fünf Jahre zwei Eier, von denen meist nur das stärkere Küken überlebt. Der Shoebill kann bis zu 30 Jahre alt werden, doch durch Lebensraumverlust und Störungen ist sein Bestand bedroht.
Es ist ein ganz besonderer Moment, dieses seltene Tier in freier Wildbahn zu sehen – so ruhig, so konzentriert, fast ehrfürchtig beobachten wir die Szenerie, bevor wir leise zurück paddeln.
08.03.2025 – Letzter Tag in Entebbe: Pool, Streetfood und Rollerfahrt
Nach dem Hotelwechsel am Vorabend wachen wir heute im Admas Grand Hotel auf – mit deutlich mehr Komfort als zuvor. Für unseren letzten vollen Tag in Uganda nehmen wir uns wirklich nichts mehr vor, außer: entspannen. Der Poolbereich ist belebt, denn neben den Hotelgästen findet hier auch Schwimmunterricht für Kinder aus der Nachbarschaft statt. Es ist schön zu sehen, wie ausgelassen sie im Wasser spielen und lernen, und der Tag vergeht angenehm ruhig.
Am Abend bestellen wir uns ein Uber und fahren noch einmal in die Stadt zum Abendessen. Für die Rückfahrt entscheiden wir uns spontan für eine typischere Art der Fortbewegung: Wir sprechen einen Boda-Boda-Fahrer an und fahren traditionell zu dritt auf dem Roller zurück zum Hotel – ein aufregender Abschluss dieses Tages und ein passender letzter kleiner Adrenalinkick.
Morgen früh um 6:30 Uhr startet unser Rückflug – unser Abenteuer in Uganda geht zu Ende. Was bleibt, sind zahllose Erinnerungen, Begegnungen und Momente, die uns sicher noch lange begleiten werden





































